Schuetzenverein von 1605 Oedelsheim e. V.  

 

 

Geschichte des Oedelsheimer Schützenwesens

 

Nach langwierigen Nachforschungen können wir durch Funde in den Staatsarchiven Marburg und Hannover nachweisen, dass das Schützenwesen in Oedelsheim erstmalig am 01. August 1605 urkundlich erwähnt wurde.

Um die Ereignisse, die hier beschrieben werden, besser zu verstehen, hier einige Hintergrund­informationen:

Oedelsheim, heute Teil der Gemeinde Oberweser, lag und liegt im nordhessischen Grenzland, damals war das Nachbarland Braunschweig, heute ist es Niedersachsen.

Ergiebiges Fischen in der Weser war nur mit Hilfe von Fischwehren möglich. Im Bereich des Dorfes Oedelsheim war Hessen im Besitz beider Weserufer und konnte solche Wehren errichten. Für die Braunschweiger war diese Möglichkeit nicht gegeben, sie durften die Weser vertraglich nur bis zur Mitte nutzen. Dennoch versuchten sie immer wieder Fischwehre einzurichten, die dann von den Hessen ganz oder bis zur Mitte zerstört wurden.

Als am 1. September 1598 erneut ein Fischwehr bei Veckerhagen von den Hessen abgerissen wurde, führte der Amtmann zu Münden am 5. September einen großen Schlag gegen Oedelsheim: mit "1000 oder mehr bewehrter Mennern"  rückten die Braunschweiger vor. In Oedelsheim wurde das Kirchtor verpflockt und die beiden Fischwehre gänzlich vernichtet. Die Weser zwischen Oedelsheim und Veckerhagen wurde von den Braunschweigern gründlich abgefischt, diverse Bauhölzer wurden entwendet.

Nach dieser Attacke war es verständlich, dass das Dorf darauf gefasst war, jederzeit von Süden her angegriffen zu werden. 

Im Juli 1605 hatten die Oedelsheimer ihrerseits die Fischwehre auf braunschweigschem Gebiet zerstört und konnten sicher sein, dass sich die Braunschweiger hierfür rächen würden. Diesmal hatten sich die Oedelsheimer vorbereitet, zwei Frauen aus Fürstenhagen (im Braunschweigschen Land) hatten gesehen, dass man zwei Schanzen mit Schießscharten errichtet hatte und sie berichteten ihrem Amtmann hiervon. Dieser eilte zur hessischen Seite und fertigte eine Zeichnung dieser Schanzen an.

1598 hatte das Dorf den Überfall über sich ergehen lassen müssen, wieso die Verteidigung sieben Jahre später? In den Jahren nach 1600 hatte unter Landgraf Moritz eine Neuorganisation des Kriegswesens stattgefunden; man setzte nicht mehr auf bezahlte Söldner, sondern auf Untertanen vor Ort, die als Soldaten ausgebildet und ausgerüstet, freiwillig ihren Dienst zur Verteidigung des Dorfes leisteten.

Im Dorf waren neben Pikenieren auch Musketiere (Männer, die eine Muskete führten) und Soldaten stationiert, die einfach als Schützen bezeichnet wurden. Dies waren die Jüngsten unter den Soldaten: die Arquebustiere (Arquebuse: Hakenbüchse). An diesen Waffen wurden die 16 – 20jährigen Männer zu Schützen ausgebildet.

In einer Liste aus dem Jahre 1607 sind die bewaffneten Oedelsheimer namentlich erwähnt:

Muketiere (geb. um 1580): Jöge Lohmann, Stoffel Koch, Melchior Tellermann, Hans Westermann, Jacob Lange, Stoffel Buchschatz, Stoffel Dietrich.

Arquebustiere (geb. um 1590): Jöge Eckel, Jöge Werner

Pikeniere (geb. um 1570): Stoffel Engel, Jöge Röttger

Gefreite (geb. um 1560): Hans Dreyer, Martin Ossenfeld

Die nun als Schützen ausgebildeten Oedelsheimer Männer verteidigten mit den Pikenieren unter Leitung der Gefreiten das Dorf nicht nur im Kriegsfalle, sondern sicherten auch den für den Ort lebensnotwendigen Fischfang in der Weser. Man wollte die Angreifer unter Beschuss nehmen, der Verfasser, der Bursfelder Abt Donnerwall, schreibt: dass die Hessen uns leicht aus den Lumpen-Schanzen Schaden zufügen können.

Die Braunschweiger waren von dieser Aktion beeindruckt, dies zeigt die Äußerung des Abtes Donnerwall:

Wer wollte aber so kühne und mutig sein, den Hessen

allda dürfte einen witten wesselen ?

Ins heutige Deutsch übersetzt: Wer wollte es den Hessen jetzt noch mit gleicher Münze heimzahlen?

Diese Dokumente belegen also die Existenz einer selbstständig agierenden Schützengruppe in Oedelsheim im Jahre 1605.

Ein Dokument des hessischen Ministeriums des Inneren vom 5. Oktober 1836 belegt eine Bürgergarde von 28 Personen in diesem Ort. 

Im Sommer 1914 wurde noch einmal ein Schüttenhoff abgehalten. Die Festschrift belegt, dass 32 Jahre zuvor, im Jahre 1882, diese Veranstaltung zum letzen Mal in Oedelsheim durchgeführt wurde.   

Andere Dokumente des Archivs Marburg aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg bezeichnen den Schützenverein als „aufgelöst“. Es waren zum Schluss noch 15  Personen, die sich zum Schießen zusammen fanden, es wurde aus einer Entfernung von 50 Metern geschossen.

Die Neugründung unseres Verein erfolgte am 14.12.1969 im ehemaligen Gasthaus "Deutsches Haus". Das Gründungsprotokoll unterzeichneten: Manfred Becker, Kurt Dalfuß, Hans-Joachim Lenz, Horst Schönfeld, Günther Wentzkowski und Werner Westermann. Am Anfang haben wir natürlich kein Schützenheim vorweisen können. Die ersten Jahre haben wir auf dem Saal unserer Gründungsgaststätte geschossen.

Das in Eigenleistung der Mitglieder erstellte Schützenheim wurde am 8. Juli 1972 eingeweiht. Die Räumlichkeiten wurden uns von der Gemeinde Oberweser im ehemaligen Stall des Bauernhofes Stucke zur Verfügung gestellt.

Durch reges Interesse und wachsende Mitgliederzahlen konnte unser Verein in der Disziplin "Luftgewehr" mit Schützen-, Damen- und Jugendmannschaften  an Rundenwettkämpfen des Schützenkreises 17 Hofgeismar teilnehmen.

Am 3. August 1972 konnten wir den Bogenschießstand, den wir auch in Eigenleistung erstellt haben, auf dem Gelände, welches uns ebenfalls von der Gemeinde Oberweser zur Verfügung gestellt wurde, einweihen. Aktiver Bogenschießsport fand auf diesem Stand und in den Wintermonaten in der Oedelsheimer Sporthalle statt. Leider ist diese Abteilung z. Zt. nicht aktiv. 

Bei Bedarf kann sie aber sofort wieder aktiviert werden, der Bogenstand sowie die dazu gehörige Ausrüstung stehen zur Verfügung.


 Natürlich hat auch die Geselligkeit innerhalb unseres Vereines einen hohen Stellenwert.  So führen wir eine Winterwanderung durch; im Sommer veranstalten wir ein Familiensommerfest. Das Königsschießen und verschiedene andere Veranstaltungen finden im Schützenheim großen Zuspruch. Der Trainingsabend mit Stammtisch am Mittwochabend im Schützenheim hat mittlerweile Tradition.

Wir wollen mit verschiedenen Beteiligungen aktiv zu einer guten dörflichen Gemeinschaft beitragen.

So sind wir, wie die anderen Vereine unseres Ortes, bemüht, unseren Beitrag zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung für unsere Jugend und die erwachsenen Einwohner jetzt und auch für die Zukunft zu leisten.

Die Vorsitzenden seit 1969:

1969 - 1979: Hans Joachim Lenz

1979 - 1987 Willi Niemeyer

1987 - 1991 Hans Dörbaum

1991 - 2008 Hans Joachim Lenz

ab 2008 Nicole Lenz

   - Hans Joachim Lenz und Peter Schräder -